Malen kann im Trauerprozess eine kraftvolle und heilsame Unterstützung sein.
Denn:
- Trauer ist oft schwer in Worte zu fassen & für den Verlust eines geliebten Menschen gibt es nicht die richtigen Worte.
- es sind so viele Gefühle gleichzeitig da, dass wir gar nicht wissen wohin damit.
Das Malen und die entstehenden Bilder ermöglichen einen Ausdruck jenseits von Worten. Gefühle wie Trauer, Wut & Leere bekommen Raum und die Möglichkeit sie achtsam und schrittweise zu integrieren anstatt sie zu verdrängen. Malen kann wie ein Ventil wirken. Ein Ventil, das uns ermöglicht, etwas Schwere und Trauer nach und nach und selbstbestimmt abzulassen.
Deine Bilder und der damit verbundene Prozess schaffen einen geschützten Raum, in dem Verlust, Erinnerung und Neubeginn nebeneinander existieren dürfen. Einen Raum, in dem alles sein darf – Liebe, Wut, Schmerz, Leichtigkeit, Fühlen oder auch mal nicht Fühlen.
Wie Malen wirken kann
Daseins-Berechtigung: wir schenken all dem, was da ist, eine Berechtigung. Nicht verdrängen und wegschieben, sondern da sein lassen. Und so wieder mit dir in Kontakt treten.
Emotionsregulation: Gefühle bekommen ein Gesicht und sind somit nicht so diffus, sondern werden sicht- und greifbar, vor allem aber annehmbar und regulierbar. Heißt, einen gesunden Umgang mit den eigenen Gefühlen erfahren und somit der Trauer ermöglichen, verarbeitet zu werden.
Entlastung & Stressabbau: Innere Spannung kann sich über das Malen lösen. Auch ist es nachweislich erwiesen, dass Malen den Cortisolspiegel senkt.
In-Bewegung-kommen & Selbstwirksamkeit: du kreierst, kommst in Bewegung, anstatt vielleicht zu erstarren und dem Gefühl der Ohnmacht ausgeliefert zu sein.
Integration des Verlustes: Der Verlust darf integriert werden und als Teil der eigenen Lebensgeschichte angenommen werden.
Bilder des Erinnerns: die Angst, dass Erinnerungen verblassen, kann groß sein. Bilder ermöglichen dir, wertvolle Erinnerungen festzuhalten.
Zukunftsbilder schaffen: Auch Fragen wie „Wie geht es weiter?“ können präsent sein, hier können Zukunftsbilder, die gemeinsam erarbeitet werden, erschaffen werden.
Impulse für deine Arbeit als MalbegleiterIn:
Oft verbinden wir mit Tod und Verlust die Farbe Schwarz und auch in der Farbpsychologie und -theorie gibt es diese Zuordnung. Doch das heißt nicht, dass nun jedes Bild schwarz wird. Ganz im Gegenteil. Es können sogar bunte, farbenfrohe Bilder entstehen. Lass dich hier nicht irritieren und geh mit dem Bild.
Neben dem Ausdruck der Gefühle, wie beschrieben und mehrmals genannt, ist es vor allem auch wichitg, erstmal (je nachdem wo die Person steht) zu Stabiliseren, Halt zu schenken, Ressourcen zu stärken. Chancen & Lichtblicke zu schaffen, die unterstützen diese Phase der Trauer zu durchstehen und im besten Fall über sie hinauszuwachsen. Fragen und Bildimpulse können sein: Was schenkt dir Kraft? Was kann dich unterstützen? Was davon kannst du dir selbst geben? Was davon steht dir vielleicht bereits zur Verfügung? Was lässt dich weitergehen?